Als kleines Mädchen war ich schon immer gerne in der Küche und hab hier und da beim Kochen und Backen geholfen. In der Mittelstufe hatten wir dann sogar Kochunterricht, wo ich mehr dazu gelernt habe, als gedacht. Seit ich bei meinen Eltern ausgezogen bin, habe ich immer gerne gekocht und gebacken. Nie etwas sehr aufwendiges, aber gerne hier und da mal etwas Neues probiert. Zero Waste war nie ein Thema. Bis vor ca. einem halben Jahr. Schon lange hatte es mich gestört, dass nach dem Einkaufen der Müll gleich voll war von Verpackungen. Eine Zero Waste Küche war mein neues Ziel.

Und ich glaube anderen geht es genauso, denn nirgendwo produzieren wir Verbraucher jeden Tag so viel Müll wie beim Kochen.

Inzwischen bin ich schon weit gekommen. Aber die perfekte Zero Waste Küche habe ich trotzdem noch lange nicht. Das dauert einfach seine Zeit.

Meine Erfahrungen die ich bisher gesammelt habe möchte ich dir hier beschreiben.

Zero Waste Küche

1. Schritt zur Zero Waste Küche: Ausmisten

Um richtig starten zu können muss zuerst mal deine Küche ausgemistet werden.

Küchenutensilien

Räume alle Schränke und Schubladen aus und legen alle Geräte, Besteck, Teller, Becher und Gläser auf einen Tisch. Jetzt hast du einen Überblick über all die Dinge die du besitzt. Ordne alles in Kategorien und frage dich dabei ob du die Gegenstände wirklich brauchst.

  • Wan habe ich es das letzte Mal benutzt?
  • Bringt es mir wirklich etwas?
  • Brauche ich drei verschiedene Grillzangen oder Stabmixer?
  • Habe ich das Muffin-Backblech jemals benutzt?

Deine Ausrangierten Teile kannst du in eine Kiste packen und sofern sie noch funktionieren in den nächsten Tagen spenden oder weiterschenken.

Wenn du merkst, dass deine halbe Küche aus Plastik besteht: Mach dir eine Liste welche Geräte und Gegenstände ersetzen willst und nehme diese Liste mit in einen Secondhandladen oder ein Küchenbedarf-Fachgeschäft. Setze dich aber nicht unter Druck und ersetze alle Gegenstände auf einmal. Lass dir Zeit dafür.

Kochbücher

Gehe genauso auch durch deine Kochbücher. Räume sie alle aus und überlege dir:

  • Welches spricht dich nicht an?
  • Woraus hast du noch nie gekocht?

Kannst du das eine oder andere Kochbuch vielleicht weiterschenken? Oder spenden?

Lebensmittel

Machen wir weiter mit den Lebensmitteln. Stelle alle Konserven, Nudeln, Reis, Mehle u.v.m.. Auf deinen Tisch.

  • Ist es noch haltbar? Kann man es noch essen?
  • Wie kann ich es weiterverwenden?
  • Wann habe ich es zuletzt verwendet?
  • Ist es ungesund? Will ich das überhaupt essen?

Lebensmittel die du nicht behalten möchtest kannst du weiterschenken an Freunde oder beispielsweise über Foodsharing. Alles was schlecht ist oder nicht mehr weitergegeben werden kann, entsorgst du ordentlich getrennt.

All die Dinge die du behältst, solltest du nicht sofort wieder zurück an seinen alten Platz räumen. Lege sie erstmal nur zur Seite. Sie bekommen am Ende einen neuen Platz.

Zero Waste Küche

Deine Küche neu einräumen

Wenn du soweit bist und alle deine Gegenstände wieder in deine Küche einräumen willst, stellt sich dir Fragen wo und wie.

Ich liebe ja unsere offenen Regale – einfach weil

  • Ich immer sehe was wir gerade dahaben.
  • Auf einen Blick erkenne was nachgekauft werden muss.
  • Ich immer aufräumen muss, weil es sonst schnell chaotisch aussieht.
  • Ich nur Dinge kaufe die mir wirklich gefallen.

 Wenn du möchtest kannst du in deiner Küche auch ein Regal anbringen oder ein bestehendes Regal aussortieren und mit deinen Gebrauchsgegenständen und Lebensmitteln füllen.

Beim Einsortieren empfehle ich dir, nach Kategorien zu sortieren. Das erleichtert das Kochen. Wir haben Beispielsweise Nudeln neben Reis und Mehle neben Zucker und Backpulver. Dadurch siehst du schnell was da ist und kannst dein Rezept einfach aufbauen.

Backzutaten auf ein Regalbrett, Frühstücksutensilien in ein anderen. Gehe so alle Lebensmittelkategorien durch. Bestimmt findest du das eine oder andere das du schon lange nicht mehr gesehen hast.

Zero Waste Küche

2. Schritt zur Zero Waste Küche: Aufbewahrung und Transport von Lebensmitteln

Jetzt gehen wir an das eingemachte. Deine Küche ist jetzt vorbereitet. Jetzt bereiten wir deinen Zero Waste Einkauf vor, genauso wie die Aufbewahrung deiner Lebensmittel. Denn Verpackungen brauchten deine Lebensmittel natürlich, aber eben eine die lange hält und deine Lebensmittel schützt.

Gläser

Dazu gehören Gläser. Das können alte Marmeladegläser sein, genauso wie neue Bügelgläser. Schau ob du ausreichend da hast. Falls nicht schreibe dir genau auf wie viele (und in welcher Größe) du noch brauchst.

Ein paar Richtwerte:

  • Reis, Nudeln, Hülsenfrüchte, Mehl und Zucker passen gut in Gläser ab 1000 ml Volumen.
  • Müsli und Trockenfrüchte finden in Gläsern ab 700 ml Platz.
  • In Gläser ab einem Volumen von 300 ml kommen Süßigkeiten, Nüsse, Samen und Kerne.
  • Gewürze, Tee und Backzutaten passen in Gläser bis 300 ml Fassungsvermögen.

Flüssigkeiten kommen bei mir immer wieder in die selben Flaschen, in denen ich sie auch gekauft habe. Die Ölflasche kannst du also für deinen nächsten Einkauf aufheben.

Manche Lebensmittel kannst du auch in schönen Gläsern kaufen und hast nach dem der Inhalt aufgebraucht ist ein wunderschönes neues Glas. Ich habe das so mit einem Glas Honig gemacht. Jetzt findet man darin Linsen.

Je nachdem wie sehr du wert legst auf eine einheitliche Küche, kannst du beim Kauf der Gläser auf Gläser einer Marke, einer Form oder Deckelart achten. Wenn du möchtest kannst du deine Gläser auch mit Etiketten beschriften.

Stoffbeutel

Normale Stoffbeutel aus Baumwolle oder Jute hast du schon. Da bin ich mir sicher, wenn du hier auf meinem Blog stöberst. Falls nicht kannst du hier bestimmt einen passenden finden.

Ich möchte dir hier eher die ganz kleinen Stoffbeutel mit Zuziehschnur zeigen. Diese ermöglichen auch einen spontanen unverpackten Einkauf und sind eine perfekte Alternative zu Plastikverpackungen, weil sie leicht und dicht genug für Linsen oder Reis sind.

In meinem Baumwollbeutel in meiner Handtasche ist außer einem Gemüsenetz auch immer so ein kleiner Stoffbeutel – damit bin ich gewappnet für eventuelle Spontan-Einkäufe.

Welche Stoffbeutel du brauchst für deinen Unverpackt-Einkauf

  • Gemüsenetze
  • Ein paar große Baumwoll- oder Jutestoffbeutel
  • Kleine Stoffbeutel mit Band zum Zuziehen
  • Evtl. Flaschentaschen für Gläser und Flaschen.

Ich hab außerdem immer einen großen Korb dabei wenn ich einkaufen gehe. Da kommen dann Lauchstangen, Salat oder Kohlköpfe hinein.

Auch Tee-Dosen kommen hin und wieder mit, genauso wie Chips-Röhren (perfekt für Spagetti)

Zero Waste Küche

Gebrauchsgegenstände, die in eine Zero Waste Küche gehören.

Die Gegenstände die ich dir jetzt aufzähle, können langsam und mit der Zeit in deine Küche einziehen.  Nichts davon brauchst du sofort, aber sie helfen dir Müllfreier zu leben.

  • Strohhalme aus Glas, Bambus oder Edelstahl mit dem Brüstchen zum Säubern.
  • Eine Frenchpress oder einen Baumwoll-Kaffeefilter mit Porzellan-Filter für die Kaffeetrinker unter uns.
  • Ein Tee-Ei und eine kleine Teekanne.
  • Brotbeutel in denen du Backwaren aufbewahren kannst.
  • Eine Flaschenbürste um deine Flaschen reinigen zu können.
  • Ein guter Mixer um Smoothies, Brotaufstriche, Hafermilch, Eis, gemahlene Nüsse und Pestos selber machen zu können.
  • Ein Nuss-Netz mit dem du Pflanzenmilch selber herstellen kannst. Das ist ein ganz feines Netz mit dem man die Milch ab sieben kann.
  • Geschirrhandtücher, Spüllappen und Stoffservietten die mehrmals verwendet werden können.
Karotten in vielen Farben

3. Schritt zur Zero Waste Küche: Richtiges Lagern von Lebensmitteln

Mir passiert es leider immer noch viel zu oft, dass Lebensmittel zu lange im Kühlschrank liegen und matschig werden oder anfangen zu schimmeln. Deswegen kommen hier ein paar Tipps, die das verhindern können:

  • Äpfel lassen anderes Obst schneller reifen – wenn du das nicht möchtest, dann lege das Obst nicht nebeneinander. Wenn du aber beispielsweise ein e Avocado schneller reifen lassen möchtest, kannst du auch ganz bewusst einen Apfel danebenlegen.
  • Kartoffeln gehören in einen dunklen kühlen Raum.
  • Bananen hängen am liebsten und dürfen niemals in den Kühlschrank – darin werden sie sofort schwarz.
  • Auch Tomaten, Ananas, Mango, Papaya, Melonen, Zitronen, Limetten und Orangen, genauso wie Granatäpfel und Avocados sollten nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden.
  • Frische Salate kannst du, in ein feuchtes Tuch gewickelt, in das Gemüsefach deines Kühlschrankes legen.
  • Angebrochene Soßen, Milchflaschen und Aufstriche solltest du im Kühlschrank aufheben.

4. Schritt zur Zero Waste Küche: Unverpackt Einkaufen

Wo gibt es was? Keiner von uns hat unendlich viel Zeit und Lust in 12 Läden zu gehen bis er seinen Wocheneinkauf getätigt hat. Deshalb zeige ich dir hier mit welchen Zielen du einen normalen Wocheneinkauf schnell erledigen kannst. Schreibe dir vorher aber noch eine Einkaufsliste, damit du nichts vergisst und nicht zu viel kaufst.

  • Wochenmarkt: Gemüse, Obst, Eier, Trockenfrüchte, Kartoffeln, Backwaren
  • Gemüsehändler: Gemüse, Kartoffeln und Obst
  • Bäcker: Brot und andere Backwaren
  • Unverpackt-Laden: Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte, Mehl, Nüsse, Müsli, Getreide, Trockenfrüchte, Zahn-Tablette, Bambuszahnbürsten, Deo, Haarseifen, Süßigkeiten, Tee, Kaffee
  • Reformhaus: Besonderheiten wie Ei-Ersatz, Naturkosmetik oder Zuckerrübensirup, Zahn-Tablette, Bambuszahnbürsten, Deo, Haarseifen

Du siehst, eigentlich findest du alles auf dem Wochenmarkt, im Unverpackt-Laden und im Reformhaus.

Weitere Produkte findest du in den folgenden Läden unverpackt (viele davon bekommst du auch in deinem Unverpackt-Laden):

  • Tee: Teeladen, Cafés
  • Aufstriche: Frischetheke, Wochenmarkt oder einfach selber machen.
  • Alkoholische Getränke: Im Getränkemarkt oder den Vom Fass-Läden
  • Essige & Öle: Vom Fass, Oil&Vinegar
  • Getreide: Hofläden, Mühlen
  • Kaffee: Cafés, Kaffeeröstereien
  • Fisch: Wochenmarkt oder Fischtheken sowie Feinkostabteilungen
  • Gewürze: Markthallen, Wochenmärkte
  • Käse: Marktstände, Hofläden und Käsetheken in Supermärkten oder Metzgereien
  • Eier: Hofladen, Bioladen, Wochenmarkt
  • Pflanzenmilch: Selber machen
  • Nüsse, Oliven und Antipasti: Türkische Lebensmittelgeschäfte oder Marktstände
  • Süßigkeiten: Feinkostläden oder Chocolaterien sowie Türkische Lebensmittelgeschäfte
  • Salzige Snacks: Türkische Lebensmittelgeschäfte
  • Trockenfrüchte: Türkische Lebensmittelgeschäfte
  • Tofu: Asia-Laden oder Wochenmärkte
  • Getränke: Getränkemarkt oder Supermärkte

Mehr Tipps zum Zero Waste einkaufen findest du hier.

Was wir weiterhin verpackt kaufen:

  • Medikamente
  • Chips
  • Kondome

5. Schritt zur Zero Waste Küche: Reste verwerten

Du hast noch eine halbe Stange Lauch, ein paar gekochte Kartoffeln oder ein paar Scheiben trockenes Brot?

Werde kreativ und koche etwas aus deinen Resten. Schau einfach mal bei Chefkoch oder in deinen Kochbüchern nach Inspiration und probiere neue Gerichte aus deinen Resten zu kreieren.

Buchtipp für mehr Inspiration

Zero Waste Küche von Sophia Hoffmann*

Zero Waste kann man lernen und es ist nicht nur gut für Umwelt und Karma, sondern auch für den Geldbeutel. Unsere Großmütter wussten, wie man sparsam und nachhaltig einkauft, alles clever lagert und ökonomisch die Reste verwertet. Wir haben es irgendwie vergessen. Daher hat die originelle Wahl-Berlinerin viele ruckzuck-Rezepte entwickelt
und ihr geballtes Wissen zum Thema Zero Waste und Nachhaltigkeit in dieses Buch gepackt. Ganz nach dem Motto: DAS Kochbuch für den Zero Waste Lifestyle!

Zero Waste Küche – Sophia Hoffmann

Welches Tipps hast du noch um eine bzw. deine Küche möglichst Zero Waste zu machen?