Eigenes Gemüse anbauen und Ernten. Das ist für der Inbegriff von Nachhaltigkeit und leider im Moment noch ein Traum. Und Expertin bin ich darin auch noch lange nicht. Viktoria ist dagegen ein Vollprofi was Gärtnern und eigener Anbau angeht. Darum habe ich sie Interviewed:

Lassen wir ab jetzt Viktoria zu Wort kommen:

Ich bin Viktoria, 25 Jahre alt und mit drei älteren Geschwistern auf dem Land aufgewachsen, mit einem großen Garten und vielen Tieren.  Als Kinder hatten meine Schwester und ich eigene kleine Beete an den wir uns ausprobieren konnten und sehr viel gelernt haben. Besonders meine Oma hat immer das Prinzip der Selbstversorgung gelebt: eigenes Obst und Gemüse im Garten anbauen, ernten, einkochen und natürlich immer frisch kochen. Ihr Kellervorrat bestand aus eingekochten Obst und Gemüse, Säfte aus dem Garten und Restliches wurde in großen Gefriertruhen eingefroren. Der Vorrat reichte mindestens für ein Jahr. Zum Glück hat sie uns sehr viel von ihrem Wissen weitergegeben.

Welche Lebensmittel/Pflanzen baust du an?

Wir bauen in unserem Garten Rhabarber, Kürbis, Sellerie, Paprika, Tomaten, Stangenbohnen, Möhren, Erdbeeren, Grünkohl, Auberginen, Gurken, Radieschen, Salate, Fenchel, Spinat, Kohlrabi, Rote Beete, Rettich, Mangold, Zwiebeln und Knoblauch an. Dieses Jahr das erste Mal Melone und Pastinaken!  Dann haben wir noch eine Kräuterschnecke mit vielen verschiedenen Kräutern und Heilpflanzen. Außerdem haben wir noch verschiedene Obststräucher und Obstbäume wie Himbeeren, Johannisbeeren, Blaubeeren, Pflaumen, Birnen, Pfirsiche, Äpfel und einen Walnussbaum.

Welche Lebensmittel/Pflanzen würdest du Anfängern empfehlen?

Für Anfänger eignen sich Radieschen, Salate, Mangold, Zucchini, Kürbisse, Zwiebeln, Knoblauch und vor allem Kräuter. Diese sind meistens sehr unkompliziert und benötigen nicht so viele Nährstoffe. Außerdem empfehle ich Anfängern vorgezogene Pflanzen auf dem Markt zu kaufen, denn diese wachsen in der Regel auch mit Erfolg. Gurken, Sellerie oder Grünkohl kaufen wir in der Regel auch auf dem Markt. Besonders Kopfsalat ist extrem schwer zum Selbstziehen, auch diese Pflanzen kaufen wir.

Benötigt man als Anfänger einen eigenen Garten oder sogar ein Feld oder reicht für den Anfang auch der kleine Balkon?

Ein größerer Garten benötigt schon ziemlich viel Aufmerksamkeit. Es muss zum Beispiel regelmäßig Unkraut gezupft werden. Durch die Trockenheit müssen die Pflanzen mittlerweile von Frühjahr bis Herbst fast alle 2-3 Tage bewässert werden. Deshalb empfehle ich erstmal klein anzufangen und zu schauen, ob dieser Garten etwas für einen ist. Mittlerweile gibt es sogar schon richtig gute Angebote für Garteninteressierte, die selbst keinen Platz haben. Tolle Projekte dazu sind z.B. Meine Ernte, Ackerhelden und Gartenpaten. Außerdem bieten auch viele Städte Gemeinschaftsgärten an.

Wie viel Arbeit steckst du rein? Lohnt es sich für dich?

Die Arbeit kann ich leider gar nicht in Stunden berechnen. Für mich ist es nicht nur „Arbeit“ sondern auch eine Art Entspannung, ein Ausgleich zu meinem Beruf. Der Garten gehört meiner Mutter und wir teilen uns diese Arbeit. Das ist gut und macht so auch viel mehr Spaß, weil man eben vieles auch schneller schafft. Die meiste Zeit im Jahr bin ich nur an den Wochenenden hier und verbringe diese dann mit Gartenarbeit. In der Erntezeit ist man dann auch oft einen ganzen Tag lang beschäftigt mit: ernten, waschen, verwerten und einmachen.

Viel Zeit benötigt zudem auch das regelmäßige bewässern.

Auf was muss man beim Anbau von Lebensmitteln achten? (Jahreszeiten, Sonnenschein, Wasserbedarf, Erntezeiten)

Beim Anbau von Lebensmitteln muss man auf jeden Fall die Jahreszeiten berücksichtigen, denn bestimmte Sorten wachsen auch nur in bestimmten Monaten. Anfängern empfehle ich sich einen guten Aussaatkalender anzuschaffen. Auf den Samentüten sind allerdings auch immer alle notwendigen Informationen beschrieben, also Aussatzeitraum, Temperaturen, Saatabstände etc. Der Wasserbedarf lässt sich an der Erde feststellen, wenn diese komplett trocken ist, dann muss gegossen werden. Dafür entwickelt man irgendwann ein Gefühl. Der Erntezeitpunkt lässt sich in der Regel am reifen Gemüse/Früchten erkennen. Bei Gemüse das in der Erde wächst wie Möhren oder Radieschen muss man den Zeitraum abschätzen bzw. vorsichtig eine Pflanze herausziehen.

Wie koordinierst du deine Arbeit? Hast du einen Kalender, in den du schreibst, was du wann zu tun hast oder stehst du jeden Tag im Garten?

Meine Mutter und ich koordinieren unsere Arbeit nach Saison, Monat und Wetter. Wir schreiben das nicht auf, denn nach so vielen Jahren Erfahrungen hat man es einfach im Gefühl. Die Vorzucht für viele Gemüsesorten beginnt ab Februar/März im Haus, wie Tomaten, Paprika, Auberginen. Ab Anfang bis Mitte Mai pflanzen wir alles in den Garten.

Welche Bodenverhältnisse benötigt man zum Gärtnern?

Damit Gemüsepflanzen gut heranwachsen benötigt man einen lockeren und humusreichen Boden mit genügend Nährstoffen. Die Gartenerde sollte aus Mutterboden, Komposterde und Pflanzerde bestehen. Diese Kombination bewährt sich bei uns am besten. Wir düngen verschieden Pflanzen zusätzlich mit Mist, Gesteinsmehl, effektiven Mikroorganismen und Brennnesseljauche.

Was tust du gegen Schädlinge oder Pilzbefall?

Es gibt sehr viele natürliche Pflanzen, die Schädlinge fernhalten wie Ringelblumen oder Knoblauch. Diese kann man einfach zwischendurch mal ins Beet setzen. Schnecken sollte man regelmäßig absammeln oder sich natürliche Feinde anschaffen wie z.B. Laufenten oder die Besiedelung von einem Igel im Garten fördern. Gegen Läuse hilft eine Behandlung mit schwarzen Tee oder einer Mischung aus Knoblauch. Der natürliche Feind gegen Läuse sind übrigens Marienkäfer.

Kochst du einen Teil deiner Ernte ein bzw. machst sie länger haltbar?

Ja wir kochen regelmäßig unsere Ernte ein. Wir machen oft Fruchtsäfte, Marmeladen und frieren die Früchte in Behältnissen ein. Einige Gemüsesorten wie Bohnen, Gurken und Tomaten kochen wir ein. Rote Beete und Sellerie lagern wir in Tontöpfen. Äpfel lassen sich auch gut in Kisten lagern. Kräuter und Heilpflanzen trocknen wir. Petersilie, Dill und Schnittlauch frieren wir geschnitten in kleinen Portionen ein.

Vielen vielen Dank liebe Viktoria, dass du dir so viel Zeit genommen hast, um alle meine Fragen rund um das Thema „Eigenes Gemüse anbauen“ zu beantworten! Das hat mich rießig gefreut und ich habe so unglaublich viel neues dazugelernt.

Auf Instagram nimmt uns Viktoria auf ihrem Account @naturlandkind immer wieder mit in ihren Garten und teilt mit uns ihre Tipps. Ich schaue ihr dabei unglaublich gerne zu und habe schon so viel von ihr gelernt.

Und jetzt seid ihr dran: Könnt ihr eigenes Gemüse anbauen? Habt ihr es schonmal versucht? Was hindert euch daran?

Falls ihr Fragen an Viktoria haben schreibt sie gerne hier in die Kommentare.


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