somskat: Slow Fashion Label für nachhaltige Mode im Interview. Das junge Stuttgarter Fashion Label beantwortet meine Fragen und stellt sich vor.

Ich bin total begeistert von ihrem durchdachten und unkonventionellen Produktionskonzept in das die Kunden miteinbezogen werden. Aber bevor ich alles voher verrate: Lest selbst!

Stellt euch mal kurz vor!

Wir sind Max und Charly, haben uns in Stuttgart vor 4,5 Jahren kennengelernt und gemeinsam arbeiten wir an dem nachhaltigen Modelabel somskat, das durch zeitlose Designs und einen neuen Einkaufsprozess Ressourcen in der Modeindustrie einsparen soll.

Was ist somskat?

somskat ist ein Slow Fashion Label, das nachhaltige und minimalistisch schlichte Kleidungsstücke anbietet – ressourcenschonend, verantwortungsbewusst und transparent, made in Europe.

somskat steht aber auch für eine neue Art, Kleidung einzukaufen. Die Vision von somskat ist es, Kleidung erst zu produzieren, wenn es die Rechtfertigung der Kunden erhalten hat. So soll in den ‚somskat ‚Workshops‘ nur produziert werden, was vorab vom Kunden gekauft wurde. Die Community wird so Teil der Wertschöpfungskette
und übernimmt aktiv Verantwortung. Ist die Mindestmenge zur Produktion erreicht, kann es losgehen – wir geben nur in Auftrag, was vorab bestellt wurde. Sollte die Mindestmenge nicht erreicht werden, nehmen wir auch keine Ressourcen in Anspruch.

somskat: Slow Fashion Label für nachhaltige Mode im Interview

somskat macht wieder Vorfreude auf Kleidung, gibt dem Handwerk die
Wertschätzung zurück und entschleunigt – Fashion gone slow.

‚Som en skat‘ ist dänisch und bedeutet ‚wie ein Schatz‘. Beim Namen war uns wichtig, dass unsere Philosophie Ausdruck bekommt. Wir möchten nicht nur der Kleidung mehr Wertschätzung – wie ein Schatz – schenken, sondern insbesondere unseren begrenzten Ressourcen, der Natur und der Gesellschaft, im respektvollen und fairen Umgang miteinander.

Vom Dänischen haben wir uns inspirieren lassen, da der Stil
skandinavisch schlicht und damit zeitlos sein sollte.

Was genau ist das Problem, das ihr mit eurer Slow Fashion lösen wollt?

Weltweit werden pro Sekunde 2,6kg Kleidung auf Mülldeponien verfrachtet oder verbrannt (Ellen McArthur Foundation, 2019: https://bit.ly/2HgJKJL ). Darunter bereits getragene Kleidung, aber auch ein Großteil an Textilien, die gar nicht erst verkauft wurden, …weil nie jemand danach gefragt hat.

Warum? Weil wir nicht gelernt haben, umsichtig und vorsichtig mit unseren Ressourcen umzugehen. Dieses Jahr war der Earth Overshoot Day am 29. Juli, das heißt an diesem Tag war das gesamte Ressourcenbudget unserer Erde für ein Jahr aufgebraucht. Damit beanspruchen wir 1,75 Erden.

Das möchten wir ändern und unseren Beitrag im Bereich Mode leisten: Wir möchten uns zu einer Community zusammentun und gemeinsam ressourcenschonend konsumieren, Konsumenten sollen wieder zu Prosumenten werden und Kleidung wieder wertgeschätzt werden.

Statt schneller Mode und Wegwerfware möchten wir ein wichtiges Zeichen gegen Überproduktion setzen und ein entschleunigtes, bewusstes Einkaufen ermöglichen, mit deutlich geringerer Ressourcenverschwendung.

Wie kam es zu eurer Slow Fashion Idee?

Die Idee ist in den letzten Jahren gereift. Ich, Charly, habe Modemanagement studiert und in der Branche gearbeitet und mich parallel mit den Themen Nachhaltigkeit und bewusstem Konsum beschäftigt.

Dabei ist relativ schnell klar geworden: Wir dürfen unser Konsumverhalten nicht mit ‚grünen Produkte‘ kompensieren, sondern müssen grundlegend neue Ansätze entwickeln, um langfristig eine Veränderung voranzutreiben.

Vor allem das Problem der enormen Überproduktion in der Textilbranche hat uns nicht losgelassen, denn es wird noch lange nicht alles verkauft,
was produziert wird – sondern ein zu großer Teil landet z.B. auf Recycling-Höfen oder Mülldeponien.

Nach vielen Diskussionen und Brainstorming-Stunden gemeinsam mit
Max ist das Konzept von somskat entstanden. Im Startup-Inkubatorenprogramm des Social Impact Labs Stuttgart hatten wir in den letzten Monaten die Möglichkeit, alle Ideen in eine Geschäftsidee umzuwandeln und wurden mit Coachings, Co-Working Space und Netzwerken unterstützt.

somskat: Slow Fashion Label für nachhaltige Mode im Interview

Was ist eure Definition von Slow Fashion?

Das ist eine sehr gute Frage, weil im Nachhaltigkeits-Dschungel viele Begriffe unterschiedlich verstanden werden. Für uns bedeutet Slow Fashion, dass Mode eben nicht den schnellen Trends und Strömungen folgt, sondern durch Schlichtheit und Langlebigkeit besticht.

Wir möchten mit somskat Kleidungsstücke anbieten, die auch in mehr als zwei Jahren noch Spaß machen und nicht ‚outdated‘ sind. Slow heißt zum Beispiel auch, dass wir nicht in klassischen Sommer-/Winterkollektionen denken, sondern eine Basis-Kapselkollektion anbieten, wir nennen sie Timeless Fundamentals: Kleidungsstücke, die non-saisonal miteinander kombiniert werden können.

Wir fokussieren uns auf schlichte Schnitte, zeitlose Farben und wertige Materialien. Diese wird es regulär im Online-Shop geben. Sobald einen Style eine besondere Farbe oder Schnitt ausmacht, wird er über das Workshop-System gelauncht, heißt erst produziert, wenn es die Rechtfertigung der Kund*innen erhalten hat.

Der Einkaufsprozess wird dabei entschleunigt (denn auch die angeschlossene Produktion dauert einfach seine Zeit) – fashion gone slow. Und auch das verstehen wir unter Slow Fashion – bewusstere, langsamere Konsumentscheidungen treffen zu können.

Was unterscheidet euch von anderen Slow Fashion Brands?

Unser Ansatz ist ganzheitlich, wir möchten mit Mode einen positiven Unterschied machen, das fängt beim Design der Kleidung an, die keinen schnelllebigen Trends folgt, und sich trotzdem vom langweiligen Öko-Look unterscheidet, über einen Prozess, der von Grund auf Umwelt und unsere Ressourcen im Blick behält, bis hin zur Förderung von Projekten, die unsere Welt ein Stück besser machen.

Wir planen einen Teilbetrag jedes Rechnungsbetrags im Online-Shop an ein soziales Projekt zu spenden, für den Start möchten wir mit dem Verein Taste of Malawi e.V. kooperieren, mit ihrer tollen Arbeit werden Frauen in Schneiderwerkstätten unterstützt, sich mit ihrem Können selbstständig zu machen und damit finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen.

Uns unterscheidet, dass wir nicht zu übermäßigem Konsum antreiben, sondern durch die Workshops ganz bewusste Kaufentscheidungen herausfordern – denn wer länger auf ein Kleidungsstück wartet, der weiß es auch länger wertzuschätzen.

somskat: Slow Fashion Label für nachhaltige Mode im Interview

Was macht eure Designs so besonders?

80% der Umweltauswirkungen eines Kleidungsstückes werden bereits durch die Entscheidungen in der Designphase bestimmt. Daher betrachten wir Schnittkonstruktion und Stoffauswahl schon unter dem Nachhaltigkeitsaspekt:

Unsere Stoffe sind GOTS– oder teils sogar IVN-zertifiziert und wir vermeiden Polyester-Gemische, das Spektrum an umweltschonenden Stoffen werden wir stetig erweitern, momentan arbeiten wir u.a. mit kontrollierter Bio-Baumwolle aus Fairtrade- Projekten in Uganda und Kirgistan.

Die Designs an sich sind unter dem Aspekt der Zeitlosigkeit designed, d.h. klare Schnittführung, maximale Kombinationsfähigkeit und non-saisonale Looks.

Wir arbeiten nicht in klassischen Kollektionsrhythmen, sondern in Kapsel-Kleidungsstücken, die länger als zwei Saisons Spaß machen.

Wir möchten nachhaltige Mode nicht im Öko-Touch, sondern in einem reduzierten, stilvollen Stil anbieten – die dabei erschwinglich bleibt!

Wie und wo produziert ihr eure Mode?

Die Designs der ersten somskat Produkte haben wir zusammen mit einer Designerin hier vor Ort erarbeitet, geprüft und verfeinert. Momentan sind wir in den finalen Abstimmungen der Musterteil-Produktion mit unserem Produktionsbetrieb in Polen.

Wir arbeiten mit einem kleinen Familienbetrieb in Lodz zusammen, einer der früheren Textil-Hochburgen Europas. Das Team teilt unsere Überzeugung einer fairen und transparenten Industrie, sie zahlen deutlich über dem Mindestlohn und sorgen für ein freundschaftliches Arbeitsklima – davon haben wir uns selbst vor Ort ein Bild machen können.

Wann kommen eure ersten Fashion – Teile raus?

Dürft ihr schon verraten, was Highlight daraus sind? Die ersten Produkte, das heißt die ersten Teile der Timeless Fundamentals Kollektion, können mit Start der Crowdfunding-Kampagne ab dem 1. Oktober gekauft werden. Wir freuen uns schon, sie endlich zeigen zu können!

Geheim ist es schon lange nicht mehr wir starten mit vier Basis-Kleidungsstücken:

Einer weißen Bluse, einem schwarzen T-Shirt, einem anthrazit Jersey-Pullover und einer schwarzen Culotte.

Das Highlight ist ganz klar die weiße Bluse im leichten oversize look – sie verkörpert die somskat Idee von Anfang an: IVN-zertifizierte Bio-Baumwolle aus Fairtrade-Anbau und Knöpfe aus recycelter Baumwolle und Füllstoffen – dabei eine verdeckte Knopfleiste und ein starker, zeitloser Look!

Was ist als nächstes für somskat geplant?

Noch müssen wir uns gedulden und eine – hoffentlich – erfolgreiche Crowdfunding- Kampagne abschließen, bevor wir neue Pläne machen können. Danach werden die Karten neu gemischt und im besten Fall der Online-Shop gelauncht – das heißt aber erstmal: All eyes on Oktober!

Habt ihr ein Ladengeschäft geplant oder wird eure Ware nur online vertrieben?

Ein Verkaufsstore ist momentan nicht geplant. Zu unserer Strategie gehört z.B. auch, auf Zwischenhändler zu verzichten, die unsere Produkte vertreiben, denn dafür ginge ein Großteil der Marge drauf, was sich wiederum in höheren Preisen zeigen würde.

Unsere Überzeugung ist es auch, nachhaltige Mode nicht als Premium-/Luxusprodukt zu positionieren, sondern durch gezielte Entscheidungen, Einsparungen dort zu machen, wo sie keinen Mehrwert für Produkt, Umwelt oder Kunden machen – wie zum Beispiel Händler dafür zu zahlen.

Stattdessen konzentrieren wir uns auf einen starken Online-Shop und können unsere Produkte so anbieten, dass sie erschwinglich bleiben, damit sie eine echte nachhaltige Alternative werden können.

Wie kann man euch unterstützen?

Wir werden am 1.Oktober mit unserer Crowdfunding-Kampagne auf Startnext live gehen. Hier benötigen wir die volle Unterstützung von allen, die unsere Vision teilen.

Erst mit erfolgreich abgeschlossener Kampagne können wir die erste Produktion starten, den Online-Shop eröffnen und das neue Funding-System launchen. Bis dahin – liken, teilen und Freunden davon erzählen!

Mit unserem Newsletter halten wir euch gerne auf dem Laufenden! Ansonsten sind wir bei Instagram (@somskat) am aktivsten und zeigen euch die Schritte der Gründung.

Vielen Dank! somskat: Slow Fashion Label für nachhaltige Mode im Interview – Danke dass ihr meine Fragen beantwortet habt. Ich wünsche euch jetzt einen super erfolgreichen Start für euer Label und freue mich bald mehr nachhaltige Mode von euch zu sehen!

Wie gefällt euch das Konzept von somskat?

Nachhaltige Packliste Zero Waste