Am 24. April 2013 brach das Gebäude Rana Plaza in Bangladesch zusammen. 1.138 Menschen starben, weitere 2.500 wurden verletzt. Die viertgrößte Industriekatastrophe der Geschichte.

Das ist die Geburtsstunde einer Moderevolution.

Es gab fünf Textilfabriken in Rana Plaza, die alle Kleidung für große globale Marken hergestellt haben. Die Opfer des Gebäudeeinsturzes waren vor allem junge Frauen, die dort als Näherinnen gearbeitet haben.

Ich glaube, dieser Einsturz war ein Tropfen auf einen heißen Stein. Viele wussten es damals schon und wissen es auch heute, dass in der Textil-Industrie unzählige Menschen ausgebeutet werden.

Darum fordere ich Veränderung.

Ich glaube, dass diese 1.138 Menschen zu viele sind, die ihr Leben an diesem einen Tag für unsere billigen Kleidungsstücke lassen mussten.

Seitdem 24. April 2013 sind Menschen aus der ganzen Welt zusammengekommen, um die Kraft der Mode zu nutzen, um die Welt zu verändern.

Die Moderevolution (Organisiert von Fashion Revolution) ist heute eine globale Bewegung von Menschen wie uns.

Wie wird Fast Fashion hergestellt?

Hast du dich jemals gefragt, wer deine Kleider genäht hat? Wie viel Näher und Näherinnen dafür bezahlt bekommen und wie deren Leben aussieht?

Unsere Kleidung hat eine lange Reise hinter sich, bevor sie in die Regale der Geschäfte in Europa gelangt. Die Reise beginnt in den Händen von Baumwollbauern, Spinnern und Webern, geht weiter zu Färbern und durch Kanalisationen bis hin zu den Näherinnen. Etwa 75 Millionen Menschen arbeiten an der Herstellung unserer Kleidung. 80% von ihnen sind Frauen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren.

Die Mehrheit der Menschen, die Kleidung für den Weltmarkt herstellen, lebt in Armut, da sie nicht in der Lage sind, sich die lebensnotwendigen Güter zu leisten. Viele sind Opfer von Ausbeutung, verbalem und körperlichem Missbrauch. Sie arbeiten unter unsicheren und schmutzigen Bedingungen und für einen sehr geringen Lohn.

Heute leiden sowohl Mensch als auch Umwelt unter der Art und Weise, wie Mode hergestellt, bezogen und konsumiert wird.

Fashion Revolution

Das muss sich ändern.

Im Moment lebt der größte Teil der Welt in einer kapitalistischen Wirtschaft. Das bedeutet, dass Unternehmen das Umsatzwachstum steigern und Gewinne erzielen müssen, um erfolgreich sein zu können. Das darf aber nicht auf Kosten der Arbeitsbedingungen, der Gesundheit, der Lebensgrundlagen, der Würde und Kreativität der Menschen gehen. Genauso wenig wie auf Kosten unserer natürlichen Umwelt.

Ganz egal ob du „nur“ ein Konsument bist und Mode kaufst und trägst oder ob du als Politiker Einfluss auf Gesetze haben kannst. Wir alle sind verantwortlich für die Auswirkungen, die Mode auf das Leben aller Menschen und die Natur hat.

Auch als Konsument bist du verantwortlich dafür, dass Näherinnen für einen Hungerlohn arbeiten müssen.

Was sich verändern muss?

Das Geschäftsmodell „Fashion Label“, die Rohstoffe und die Denkweise.

Um Veränderungen in der Modebranche zu erreichen, müssen drei Aspekte angegangen werden.

Das Geschäftsmodell der Mode

Die Art und Weise, wie Mode produziert und konsumiert wird, wurde in den letzten 20-30 Jahren dramatisch verändert, vergrößert und beschleunigt. In den letzten 20 – 30 Jahren gab es auch häufigere und tödlichere Fabrikunfälle. In den letzten zehn Jahren haben die Bekleidungsunternehmen steigende Kosten zu begleichen, die durch steigende Arbeits-, Rohstoff- und Energiepreise verursacht werden. Doch trotz der höheren Kosten für die Herstellung von Kleidungsstücken ist der Preis, den wir für ein einzelnes Kleidungsstück bezahlen, so günstig wie nie zuvor. Das ist das System funktioniert also irgendwie nicht.

Die gesamte Modebranche braucht einen radikalen Paradigmenwechsel. Kleidung darf nicht mehr auf die Art und Weise produziert werden wie bisher. Dafür sind Veränderungen in Geschäftsmodellen genauso notwendig wie unterschiedliche Lösungen dafür erforderlich sind.

Die Rohstoffe der Mode – Arbeitskraft und Textilien

Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung sind nach wie vor weit verbreitet. Harte Realität ist leider, dass es für viele der Menschen, die für die Modebranche arbeiten, keine grundlegenden Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen gibt. Der gesetzliche Mindestlohn in den meisten Bekleidungsherstellungsländern reicht selten aus, damit die Arbeitnehmer davon leben können.

150 Milliarden Kleidungsstücke werden jährlich in den Textil-Fabriken hergestellt, aber allein die Amerikaner werfen jedes Jahr etwa 14 Millionen Tonnen Kleidung weg, das sind über 36 kg pro Person. Laut der Environmental Protection Agency (EPA) gingen 84% der entsorgten Kleidung in den Vereinigten Staaten im Jahr 2012 entweder in eine Deponie oder wurden in einer Verbrennungsanlage verbrannt.

In der Zwischenzeit werden die handwerklichen, lokalen und alteingesessenen Handwerksbetriebe ausgebeutet, da sie nicht gegen die Massenproduktion und gegen die Überschwemmung der lokalen Märkte mit Secondhand-Ware ankommen.

Wir verlieren dadurch dass Wissen über Herstellungsarten, die über Generationen in Gemeinschaften auf der ganzen Welt weitergegeben wurden.

Unsere Kleidung hat auch verheerende Auswirkungen auf die Umwelt. Die Chemikalien, mit denen unsere Kleidung angebaut, gefärbt, gewaschen und behandelt wird, werden zu umweltschädlichen Flüssen. Durch den Baumwollanbau und die Nassverarbeitung, wie z.B. Färben und Waschen, werden große Mengen Wasser zur Herstellung von Kleidungsstücken benötigt.

Und schließlich macht Kleidung laut The Carbon Trust rund 3% der weltweiten Produktion von CO2-Emissionen aus. Das ist auch nicht ohne.

Unsere Denkweise muss sich ändern.

Die Art und Weise, wie wir Kleidung konsumieren, hat sich in den letzten 20-30 Jahren auch sehr stark verändert. Wir kaufen mehr Kleidung als früher und geben weniger für sie aus. Vor einem Jahrhundert haben wir mehr als die Hälfte unseres Geldes für Lebensmittel und Kleidung ausgegeben, heute geben wir weniger als ein Fünftel dafür aus.

Als Gesellschaft kaufen wir heute 400% mehr Kleidung ein als noch vor 20 Jahren.

Wir müssen unsere Sucht nach dem Bedürfnis nach Geschwindigkeit und Mengen/Gütern überwinden. Wir müssen die wahren Kosten unserer billigen Angebote erkennen.

Letztendlich dürfen wir weniger kaufen, sollten besser kaufen und weiterhin Fragen über die Realitäten hinter dem, was wir kaufen, stellen. Wir müssen die Kleidung, die wir bereits besitzen, mehr lieben und härter dafür arbeiten, damit sie möglichst lange hält.

Allerdings beginnen sich langsam die Denkweisen zu ändern. Das zeigt sich an der großen Zahl von Menschen, die sich in den letzten vier Jahren mit Fair Fashion, der Fashion Revolution und einem nachhaltigen Leben beschäftigt haben. Das stimmt mich glücklich. Aber zufrieden bin ich noch lange nicht.

Der State of Fashion 2017 – Bericht von McKinsey und Business of Fashion erklärt:

„Wenn 2016 ein Jahr des Aufeinandertreffens gegensätzlicher Kräfte war, war das Streben nach Nachhaltigkeit ein gemeinsamer Nenner in der Branche. Nachhaltigkeit wird zu einem wichtigen neuen Treiber für die Kaufentscheidung der Verbraucher. In Schwellenländern zum Beispiel suchen mehr als 65 Prozent der Verbraucher aktiv nach nachhaltiger Mode.“

Fair Fashion und Nachhaltigkeit sind eine globale Bewegung.

Nachhaltigkeit und Fair Fashion sind Teil einer globalen Bewegung, die eine gerechtere, sichere und transparentere Textilbranche fordern.

Eine verantwortungsvolle Industrie in die die Arbeit des einzelnen würdigt. Und Umweltschutz ein Standard ist.

Was können wir als Konsumenten und Verbraucher tun?

Unsere Fragen, unsere Stimmen, unsere Einkaufsgewohnheiten und unsere Kassenbons können dazu beitragen, die Dinge zum Besseren zu wenden. Wir sind der Treiber von Trends. Jedes Mal, wenn wir etwas kaufen, stimmen wir mit unserem Kassenbeleg ab. Wenn wir sprechen, hören Marken und Regierungen zu

Wir als Konsumenten tun können, um die Missstände um Fast Fashion zu verringern/minder/vermeiden.

  • Fragen stellen nach der Herkunft, den Produktionsbedingungen und der Transparenz von Kleidungsstücken und Rohstoffketten und Unternehmen.
  • Transparenz fordern.
  • Darauf achten wie viel wir konsumieren. Brauchen wir das alles wirklich?
  • Bewusst entscheiden welche Labels wir untersützen wollen.
  • Unsere Stimme abgegeben – und das mit jedem einzelnen Kauf!
  • Die ersten Schritte in die richtige Richtung gehen.

Fashion Revolution glaubt an eine Modebranche, die Menschen, unsere Erde, Kreativität und Gewinn gleichermaßen schätzt und dass positive Veränderungen mit Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Offenheit beginnen. Ich denke daran können wir mitwirken.

Transparenz allein stellt nicht den größeren systemischen Wandel dar, den wir uns für die Modebranche wünschen sollten – aber sie hilft uns dabei. Transparenz hilft, die vorhandenen Strukturen aufzuzeigen, damit wir besser verstehen, wie wir sie verändern können.

Was mache ich konkret?

  • Seit inzwischen mehr als 2,5 Jahren kaufe ich nur noch Secondhand und Fair Fashion Kleidung.
  • Ich konsumiere bewusst und schaue erstmal in meinen Kleiderschrank bevor ich etwas Neues kaufe.
  • Ich achte auch bei Lebensmitteln, Haushaltsgeräten, Stromversorgern uvm. darauf, dass ich diese lokal, transparent, bio und saisonal, Ressourcenschonend und nachhaltig hergestellt werden.

Was tust du konkret gegen Fast Fashion?

Viele der oben genannten Fakten und Infos sind der Homepage vom Fashion Revolution entnommen.