Plastik ist eine Gesundheitsgefahr. Das ist uns allen inzwischen bewusst. Dieses Thema war in den Medien in den vergangenen Monaten oft präsent. Mich hat das Thema auch nicht mehr losgelassen. Warum ist Plastik eine Gesundheitsgefahr? Was macht Plastik mit unserem Körper?

Das ganze Thema und meine Frage ist kein Clickbait oder Attention-Grabber, sondern Realität.

Spätestens, nachdem ich mir den Film „Plastic Planet“ angeschaut hatte, wurde mir klar, wie schlimm es da draußen tatsächlich ist. Wir sind alle tagtäglich von Plastik umgeben. Und (zumindest ich) haben keine Ahnung, keine Erfahrungen und kaum Studien gelesen, die zeigen was der „Rohstoff“ Plastik tatsächlich mit uns und unserer Erde macht – und welchen Gefahren wir uns und unseren Körper aussetzen.

Was ist Plastik überhaupt?

In diesem Beitrag, in diesem und in diesem habe ich bereits beschrieben, was Plastik ist und warum es so ein Problem ist. Aber ich möchte mich hier in diesem Beitrag nochmal intensiver damit auseinandersetzen, um folgendes herauszufinden: Was macht Plastik mit unserem Körper?

Wichtig für jede Argumentation ist es, zu Beginn zu wissen, womit wir es eigentlich genau zu tun haben. Darum möchte ich erstmal auf Kunststoff als solches eingehen. Was ist Plastik?

Kunststoffe (Termoplaste, Plastik) sind Stoffe, die vor allem aus Makromolekülen bestehen und sich durch ihre Formbarkeit, Elastizität, Temperaturbeständigkeit, Härte und insgesamt einer hohen Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen auszeichnen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kunststoff

Kunststoffe werden oft abhängig von ihrem machanisch-thermischen Verhalten in verschiedene Plastiksorten eingeteilt. Durch diese Einteilung kommt man auf drei grobe Großklassen von Kunststoffen:

  • Thermoplaste (dazu gehört ein Großteil des uns umgebenden Plastiks – verwendet werden Thermoplaste u.a. in der Verpackungsindustrie, in der Automobil- und Bauindustrie)
  • Duroplaste (weißen eine hohe mechanische und chemische Beständigkeit auf, kommen häufig für Elektroinstallationen zum Einsatz)
  • Elastomere (sind formbare Kunststoffe, Kautschuk und Gummimaterialien)

Diese Kunststoffsorten unterscheiden sich im chemischen Aufbau genauso wie in der Verwendung.

Zu den vielen Gemeinsamkeiten, die alle drei Sorten aufweisen machen sie zu perfekten Rohstoffen für die unterschiedlichsten Einsatzbereiche.

Sie sind wesentlich leichter als andere Materialien, die für ähnliche Aufgaben stellvertretend herangezogen werden könnten (beispielsweise Glas oder Metall). Kunststoffe sind relativ hart und stabil (sie brechen nicht so leicht). Verglichen mit anderen organischen Stoffen sind sie relativ beständig gegenüber anorganischen Einflüssen (Säure, Laugen, Salzlösungen), besitzen eine niedrige Verarbeitungstemperatur (zwischen 200° und 300°) und sind einfach mit wesentlich geringerem Aufwand als beispielsweise Metall herzustellen. Da Kunststoffe eine niedrige Leitfähigkeiten (bezogen auf Wärme und Elektrizität) besitzen macht es sie zu hervorragenden Dämmungs- und Isolationsmaterialien.

Das sind ganz schön viele Vorteile.

Der Begriff Plastik kommt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet „geformte/formende Kunst“ – mich erinnert das auch an antike Plastiken und Darstellungen von Mensch und/oder Tier.

Bereits im 16. Jahrhundert (aber vor allem im 17. Jahrhundert) wurden die ersten Erfahrungen mit Kunststoffen gemacht. Kautschuk und anderen gummiartigen Materialien wurden im Alltag eingesetzt.

Immer mehr Erfindeungen, Chemiker und natürlich auch Endprodukte aus Plastik entstanden seitdem. Ein Leben ohne Plastik können wir uns gar nicht mehr vorstellen.

Die Plastikindustrie ist inzwischen ein riesiger Wirtschaftszweig: Laut dem Film „Plastic Planet“ (der im Jahr 2009 gedreht wurde) macht die Industrie 800 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. In Europa verdienen 1 Million Menschen ihr Gehalt durch die Plastikindustrie.

Das Plastik-Problem des Plastik-Planeten & Was macht Plastik mit unserem Körper?

Aber Plastik ist nicht nur positiv. Auch weil die Eigenschaften des Rohstoffes durchaus negative Nebenwirkungen haben. Und die Probleme mit dem Kunststoff sind auch schon lange da und bekannt.

  • Das dringlichste Problem: Bis heute gibt es keine umweltfreundliche Lösung zum Abbau von Plastik. Eine Plastiktüte, die wir irgendwo mitnehmen, benötigt mehr als 400 Jahre, bis sie verrottet ist. Und nach den 400 Jahren können wir das Material nicht einfach wiederverwenden, denn es hat sich einfach nur in immer kleinere Bestandteile (Mikroplastic) aufgelöst. Nur weil wir es nicht mehr sehen können, heißt es nicht, dass es nicht mehr da ist.
  • Plastik (egal in welcher Größe) müllt unsere Umwelt zu. Bilder von plastikverseuchten Stränden, Meeren als Mülldeponien, verstümmelte Meereslebewesen und an Plastik verhungernde Vögel kennen wir bereits.
  • Verseuchte Landstriche voller Plastikmüll und riesige Mülldeponien in Kalkutta. Auch in Deutschland weiß keiner nicht, wohin mit den Kunststoffen.
  • Und ja: Plastik hat auch einen verheerenden Einfluss auf die Gesundheit von uns Menschen, den Tier und unserer Umwelt.

Ich kann hier nicht auf alle der angesprochenen Probleme, die mit unserem Plastikkonsum zusammenhängen eingehen. Darum möchte ich mich darauf beschränken, folgendes herauszufinden: Was macht Plastik mit unserem Körper?

Das erste Problem: Die Weichmacher

Jeder Deutsche und jede Deutsche verbraucht im Jahr etwa 24 Kilogramm Plastik (das nicht abgebaut werden kann). Das ist nicht nur ökologisch ein riesiges Problem, sondern auch gesundheitlich bedenklich.

Immer mehr Einflüsse, die Plastik und die darin enthaltenen Teil- und Zusatzkomponenten auf den menschlichen Körper haben, kommen ans Tageslicht.

Eine bedenkliche Rolle spielen dabei die sogenannten Weichmacher.  

Diese Weichmacher sorgen dafür, dass die Kunststoffteile, die wir im Alltag benutzen wollen, weich, geschmeidig und formbar bleiben. Den Großteil dieser Weichmacher stellt die Gruppe der Phtalate dar.

Es gibt über 600 bekannte Weichmacher, über 200 davon gelten als gesundheitlich bedenklich.

https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/gesundheit/themenuebersicht/gesund-im-alltag/plastik-weichmacher-kunststoff-bisphenol-umwelt100.html

Allein im Jahr 2018 wurden geschätzte 7,6 Millionen Tonnen an Weichmachern produziert; man muss die rasant wachsende Nachfrage decken.

Viele unserer Alltagsprodukte werden mit Phtalaten versetzt, um die Kunststoffe länger haltbar zu machen. Dazu gehören Flip-Flops, Bodenbeläge, Duschvorhänge, Kinderspielzeug, Schuhsohlen, Textilien, Kosmetika, Tablettenkapseln … usw.

Das Problem an den Weichmachern: Wir sehen sie nicht. Dabei gelangen Weichmacher, von uns unbemerkt, in unsere direkte Umgebung – und in unseren Körper.

Das Gefährliche an den Weichmachern ist, dass sie eine hormonähnliche Struktur aufweisen, die mit dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen verwandt ist. Unser Körper nimmt Weichmacher als körpereigenes Geschlechtshormon wahr.  

Unser Körper – und vor allem der männliche – reagiert darauf: Die Spermienproduktion verringert sich und das kann bis zur Unfruchtbarkeit führen.

Im Film „Plastic Planet“ wird sehr anschaulich von einer Fischsorte berichtet, die in einem mit Weichmachern angereichertem Fluss auf einmal eine neue Geschlechtsgattung hervorbrachte: Intersex-Fische, Fische, auf die sich die Kunststoffe so ausgewirkt hatten, dass sie kein eindeutig bestimmbares Geschlecht mehr aufwiesen. Was bedeutet das für uns Menschen?

Weichmacher können auch über unsere Haut aufgenommen werden und werden im Körperfett gelagert. Die Folge: Wir werden dick. Und können nicht einmal etwas dafür, jedenfalls nicht im klassischen Sinne von falschem Essverhalten und Bewegungsmangel.

Sehr problematisch wird es, wenn es um unseren Nachwuchs geht: Eventuelle Phtalate, die sich im Fettgewebe der Mutter angereichert haben, werden im Laufe der Schwangerschaft auf das Kind übertragen und haben Gelegenheit, sich dort ebenfalls anzureichern, noch bevor das Kind sein erstes Plastikspielzeug in der Hand hatte.

Außerdem hat man bisher herausgefunden, dass Weichmacher folgende Auswirkungen auf uns Menschen haben: Förderung des Krebsrisikos, Verdacht auf Veränderung der menschlichen DNA, Förderung von Diabetes, Unkonzentriertheit, Abfallen des IQ, Athma und Allgerien.

Da viele Firmen ihre Weichmacher-Rezepturen nicht herausrücken, konnte man bisher nur sehr wenige Phtalate einer chemischen Untersuchung unterziehen. Dennoch kamen bereits so krasse Zusammenhänge zu Tage.

Welche Auswikrungen Kunststoffe auf unsere Gesundheit haben, ist immernoch unklar. Aber das Wenige, das wir bisher wissen, lässt nichts Gutes erahnen.  

Das zweite Problem mit Plastik: BPA

BPA ist die Abkürzung für Bisphenol A – eines der am meisten diskutierten Kunststoffe auf dem Markt. Es ist eine der weltweit am meisten produzierten Industriechemikalien und pro Jahr werden 3,8 Millionen Tonnen davon hergestellt.

„BPA wird oft als Weichmacher für Plastikprodukte bezeichnet, genau genommen aber ist es schlicht ein Grundbaustein des Kunststoffes Polycarbonat.“

https://www.zeit.de/2012/14/N-Bisphenol

BPA greift extrem stark und schnell in den Hormonhaushalt ein – schon kleinste Mengen genügen, um das empfindliche Gleichgewicht im menschlichen Körper zu beeinflussen.

Das gilt vor allem für Kinder: BPA wird oft in Kinderspielzeug, in Babytrinkflaschen und Küchenutensilien verarbeitet. Alles Gegenstände, die immer und permanent in Kontakt mit dem Mund und/oder der Nahrungsaufnahme stehen.

Wenn BPA in unseren Körper, in unseren Blutkreislauf und in unsere Fettzellen gelangt, richtet es nach bisherigen Erkenntnissen ähnlich viel Unheil an wie die Weichmacher:

  • Es fördert Fettleibigkeit,
  • steigert das Krebsrisiko und
  • steht unter anderem im Verdacht, Schädigungen des Zentralen Nervensystems auszulösen.

Seit 2010 ist daher in Deutschland zumindest die Verwendung von BPA in Babytrinkflaschen verboten – andere Mitgliedsstaaten der EU, unter anderem Dänemark und Schweden, drängen auf ein ganzheitliches Verbot dieses Kunststoffs.

https://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/chemie/120615_bund_chemie_achtung_plastik_broschuere.pdf

Wichtig: Mit Studien ist es immer das gleiche. Abhängig vom Auftraggeber der jeweiligen Studie und dessen Zielen entwicklet sich auch das Ergebnis der jeweiligen Studie. D.h. wenn Umweltorganisationen Studien beauftragen, die sich mit den Auswirkungen von BPA und Weichmachern generell befassen sollen, ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse „überinterpretiert“ werden.

In Skeptikerkreisen wird vorsichtig von einem „möglichen Zusammenhang“ zwischen BPA / Phtalaten und verschiedenen Beeinträchtigungen der menschlichen Gesundheit gesprochen.

Aber allein schon der Verdacht ist meiner Meinung nach grauenvoll und sollte uns zum Nachdenken anregen – denn es steht dabei zu viel auf dem Spiel.

Wie können wir uns vor Plastik und seinen negativen Eigenschaften schützen?

Die schlechte Nachricht: Einen umfassenden Schutz gibt es nicht.

In unserer Welt, die von Kunststoffen überflutet wird, die ein Plastic Planet ist, können wir uns den Auswirkungen der Kunststoffe nicht entziehen – so sehr wir das wollten und so sehr wir uns bemühen.

Aber wir können achtsam durch unseren Alltag gehen, Plastik-Fallen aufspüren und die Gegenstände vermeiden, zu denen es plastikfreie Alternativen gibt und die wir eigentlich gar nicht brauchen.

Hier einige Ideen:

  • Die Plastikzahnbürste durch eine abbaubare Bambuszahnbürste ersetzen.
  • Von Plastikflaschen auf Wasserflaschen aus Glas umsteigen.
  • Die Plastiktüte im Supermarkt liegen lassen und einen Jutebeutel dabei haben.
  • Materialien, die „chemisch“ oder „nach Plastik“ riechen vermeiden – hier haben bereits Weichmacher begonnen sich zu lösen
  • Möglichst wenig Plastik-Küchenutensilien verwenden. Jede Beschädigung erleichtert es unliebsamen Stoffen, sich vom Material zu lösen.
  • Auf Plastikspielzeug verzichten – es gibt tolle Spielsachen aus Holz!
  • Wenn möglich Unverpackt einkaufen. Obst und Gemüse gibt es auch ohne Verpackung im Supermarkt oder auf dem regionalen Markt. Für andere Lebensmittel im Unverpacktladen oder Biomarkt fündig werden.

Ist Bioplastik besser?

Abgesehen von den vielen kleinen einzelnen Dingen, die man selbst für einen geringeren Plastikkonsum tun kann, ist in Industriekreisen ein ganz neues Stichwort im Umlauf: Bioplastik.

Damit sind die Kunststoffe aus „natürlichen Materialien“ gemeint, die auf pflanzlicher Basis hergestellt werden. Rohstoffe können u.a. Bernsteinsäure und Mais sein/werden. Die Verpackungsindustrie wittert natürlich eine Marktlücke und ein Milliardengeschäft. Einige Müllbeutelhersteller werben bereits mit 100% Bioplastik und Verpackungsunternehmen mit Kunststoffpellets aus Maisstärke.

Die Frage dabei ist aber, ob das Ausweichen auf einen anderen Rohstoff das Problem löst?

Denn Mais ist eigentlich ein Lebensmittel. Wenn es in Zukunft nur dafür angebaut wird, damit wir in den westlichen Industrienationen ein gutes Gewissen beim Wegwerfen und Konsumieren haben, dann ist das auch nicht Sinn der Sache. Menschen in anderen Regionen unserer Erde haben dann darunter zu leiden, da sie nicht genug zu Essen zur Verfügung haben.

Meine Meinung: Wenn wir auf Bioplastik ausweichen, verschieben wir das Problem – lösen es aber nicht. Das Problem heißt zwar Plastikmüll und damit Gesundheitsgefährdung – aber im Kern heißt es doch auch Konsumwahn.

Noch mehr Infos zum Rohstoff Plastik

Ich habe versucht Fakten klar zu stellen und euch viele Infos an die Hand zu geben. All umfassend ist dieser Beitrag dennoch nicht.

Aber ich hoffe, das ihr einen kleinen Eindruck davon bekommen habt, dass Plastik für uns zu einem Problem geworden ist und es weiterhin bleiben wird.

Mehr Infos könnt ihr beispielsweise hier nachlesen:

Wie steht ihr zum Thema ‚Plastik‘?

Worauf achtet ihr? Waren euch die Folgen von unserem Plastikkonsum bewusst? Was wisst ihr: Was macht Plastik mit unserem Körper?

Schreibt eure Meinung, Erkenntnisse und Entdeckungen zu diesem Thema gerne in die Kommentare.

Eine weitere Quelle:

  • https://www.welt.de/gesundheit/article125155672/Die-unsichtbare-Gefahr-aus-dem-Plastikmuell.html

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